Gastbeitrag: Leerstand wegen Untätigkeit – über die Wohnsituation in Flingern

Mein Gastbeitrag auf dem großartigen Blog aus Flingern: Flingern.net (gibt es auch als App!)

Ein Blick auf den Leerstandsmelder der Bewegung „Freiräume für Bewegung“ zeigt eine Reihe von Leerständen in Flingern auf. Verglicheçn mit den Meldungen in anderen Stadtbezirken, gibt es in Flingern davon sehr viel. Wahrscheinlich hängt dies mit der immensen Nachfrage nach günstigen Kreativräumen, aber auch Wohnungen zusammen – schließlich hängen an jedem Ampelmast Gesuche nach Wohnungen oder Ateliers mit hohen „Kopfprämien“ bei erfolgreicher Vermittlung. So fällt es  besonders auf, wenn irgendwo etwas ungenutzt bleibt und umso unverständlicher scheint es dann, wenn sich bei einigen Objekten seit Jahren merklich nichts bewegt.

So zum Beispiel auf der Ecke Erkrather / Kettwiger Straße: schon seit mehreren Jahren werden die Räumlichkeiten nicht mehr genutzt, weder von der Nürnberger Versicherung, noch von der Sparkasse oder dem China-Supermarkt. Letztere hinterließen Räumlichkeiten, die besonders als Ausstellungs- und Proberäume, oder Ateliers geeignet wären, denn diese sind in Sachen Brandschutz, Flucht- und Rettungswege gut ausgestattet und auch die Verkehrsanbindungen mit U- und Straßenbahnen sind sehr gut. Also fragten wir in der Bezirksvertretung bei der Stadtverwaltung nach, ob diese tote Ecke nicht wiederbelebt werden könnte, indem dort eine wie auch immer geartete Zwischennutzung ermöglicht wird. Nachfrage und Gesuche gibt es schließlich en masse.

Nachdem die erste Auskunft darauf hindeutete, dass mit diesem Objekt so schnell nichts passieren wird, hat die Bezirksvertretung auf unsere Initiative interfraktionell einen Auftrag an die zuständigen Ämter gegeben, mit dem Eigentümer in Verbindung  zu treten und in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt eine Zwischennutzung zu gewährleisten oder mindestens zu prüfen. Dementsprechend große Erwartungen hatten wir an die Antwort der Verwaltung: wir alle rechneten damit, dass hier endlich was passieren würde, stehen doch alle politischen Kräfte im Bezirk dahinter.

Doch Fehlanzeige: die Verwaltung teilte uns eine Sitzung später mit, dass es eine Bauvoranfrage gäbe und eine Zwischennutzung nicht möglich sei, da hierzu „keine Anträge vorliegen“. Diese Antwort war nicht nur ungenügend, sie warf auch Fragen auf: die Leerstände sind bekannt und sogar mit Foto dokumentiert. Weshalb gibt es seitens der Verwaltung aber keine eigenständigen Aktivitäten und warum ist es so schwer, die immense Nachfrage mit dem nicht geringem Angebot zusammenzuführen? Wo und wie werden Räume zur Zwischennutzung beantragt?

Anderes Beispiel: das Wohnhaus an der Hoffeldstraße 98 in Flingern-Nord. Auch hier fragten wir nach, auch hier gab die Antwort der Verwaltung mehr Fragen als Antworten: der letzte Kontakt mit dem Eigentümer fand im Jahr 2004 (!) statt, als dieser einen Bauantrag auf Sanierung des Objekts stellte. Seitdem hat sich nichts getan, außer dass das Haus seit Jahren verbarrikadiert ist. Trotz Wohnungsnot und galoppierender Mietpreise wurde hier seit 7 Jahren nichts unternommen – unfassbar.

Deswegen werden wir auf der nächsten Sitzung einen Antrag stellen und die Verwaltung um Erläuterung bitten, damit für alle transparent wird, wo hier das Problem liegt. Es ist ein Trauerspiel, dass die Verwaltung allem Anschein nach so wenig dafür tut, dass es in Flingern und in Düsseltal mehr Freiräume für die zahlreichen Künstlerinnen und Künstler gibt und – wie im Fall auf der Hoffelstraße – so wenig unternimmt, wenn potentieller Wohnraum leer steht. Ich habe die Hoffnung, dass sich durch unsere Initiative etwas bewegt. Schließlich mangelt es weder am Engagement der Bevölkerung, noch am politischen Willen. Wir bleiben dran und freuen uns über Unterstützung!

 

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