Rede zur Landesförderung der Universität Witten/Herdecke

Foto: Schälte, Bernd

„Die Uni Witten/Herdecke ist fester Bestandteil unserer Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen geworden, und sie soll es auch bleiben.“

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Piratenfraktion! Sie scheinen von Ihren Bürovorgängern das eine oder andere Inventar übernommen zu haben: Heute Morgen bei der Haushaltsdebatte hatte man gelegentlich den Eindruck, Sie hätten einen Kasten mit alten Reden von Herrn Michalowsky gefunden. Jedenfalls erinnerte mancher Inhalt und auch der Gestus sehr stark daran. Umso erstaunlicher ist es – das hat Herr Kollege Dr. Berger schon ausgeführt –, wohin sich einige Kollegen orientieren. Für Unterhaltung bleibt jedenfalls gesorgt. Jetzt zu etwas weniger Unterhaltsamen, zu Ihrem Antrag: Sie scheinen als Fraktion jetzt offensichtlich auch ideologische Ansätze der Linken zu übernehmen. Sie versuchen, eine Neiddebatte zwischen den privaten und den öffentlich finanzierten Hochschulen anzuzetteln. Sie wollen die vermeintlich reine Lehre durchsetzen ohne Rücksicht auf die Situation in Witten/Herdecke. Sie reden davon, dass die Hochschule gescheitert sei. Sie reden von Subventionen zum Erhalt der Uni. Das ist ein Zerrbild, das mit der Realität nichts zu tun hat, meine Damen und Herren.

Wir sprechen vielmehr über eine herausragende Universität, die sich zu 90 % aus nichtöffentlichen Mitteln finanziert, insbesondere in der Medizinausbildung große Erfolge aufweist, was die Qualität der Lehre, die Studiendauer und die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen anbetrifft. Wir reden bei der Medizin über einen einzigartigen, mehrfach prämierten Ausbildungsgang, der einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und zum Beispiel komplett tierfrei ist, das heißt ohne sogenannten Tierverbrauch auskommt. Aber auch die Kulturwissenschaften sollten nicht unerwähnt bleiben. Auch sie verfolgen innovative Ansätze. Es gibt zum Beispiel den einzigartigen Studiengang, den neuen Master „Doing Culture“, der allein von der Beschreibung her neugierig macht. Die Verknüpfung von Philosophie, Ökonomie und Politik in einem grundständigen Studiengang ist ebenso anregend. Man möchte eigentlich dem einen oder anderen Mitglied des Hauses diesen Studien-gang empfehlen. Die Uni Witten/Herdecke ist fester Bestandteil unserer Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen geworden, und sie soll es auch bleiben. Apropos Hochschullandschaft – das wurde schon vom Kollegen Bell angesprochen –, auch da zeichnen Sie ein absolutes Zerrbild. Lassen Sie uns noch einmal vergewissern, was diese Landesregierung trotz Haushaltskonsolidierung alles unternimmt:

2011 bis 2018 Hochschulpakt, zusätzlich 2,2 Milliarden €, zusätzlich 249 Millionen € jedes Jahr trotz angespannter Haushaltssituation für die Verbesserung der Lehre. Noch nie wurden so viele Mittel in unsere Hochschulen investiert wie mit diesem Haushalt. Das können Sie nicht wegdiskutieren. Hören Sie auf, hier schwarzzumalen, meine Damen und Herren!

Zum Schluss bleibt zu sagen: Die Uni Witten/Herdecke ist eine private Universität. Ja, das ist eine Ausnahme. Das Ganze hat eine Historie. Daraus erwächst uns Verantwortung. Wir haben eine Verantwortung gegenüber der Uni Witten/Herdecke, insbesondere gegenüber den Studentinnen und Studenten. Ich würde Ihnen am Schluss meiner Rede vorschlagen – Sie haben in Ihrer Rede ja deutlich abgerüstet gegenüber Ihrem Antrag und den Begrifflichkeiten, die Sie darin aufgegriffen haben –: Lassen Sie uns diesen Antrag nicht in den Ausschuss überweisen. Seien Sie konsequent, nehmen Sie Ihre Rede ernst, und ziehen Sie Ihren Antrag zurück! – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

Schreibe einen Kommentar