Besuch im Zoo Münster

Robbenhaven

Am 27. Mai besuchte ich den Zoo in Münster und erkundigte mich über die Arbeit vor Ort. Zoodirektor Adler übernahm die Führung persönlich. Natürlich ging es um aktuelle Themen wie das neue Säugetiergutachten der Bundesregierung, welches die Mindestanforderungen für Tiere in Zoos regelt. Da ich zuletzt im Kindesalter den Münsteraner Zoo besuchen konnte, war ich aber vor allem gespannt auf die zahlreichen und spannenden Projekte zum Artenschutz die der Zoo vorantreibt.

Bei meinem Besuch wurde mir deutlich, dass er nicht nur im Bereich des Artenschutzes als Vorbild dienen kann. Der Allwetterzoo folgt dem Leitbild der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie, die 1993 von der Welt-Zoo-Organisation (WZO/ IUDZG) und der Welt-Naturschutz-Union (IUCN) veröffentlicht wurde. Zu den vordersten Zielen der Zoos gehört der Erhalt natürlicher Lebensräume und Ökosysteme. Seit vielen Jahren beteiligt sich der Allwetterzoo an internationalen Artenschutzprojekten, die den Schutz und Erhalt bedrohter Arten in ihren natürlichen Lebensräumen zum Ziel haben. Hierzu wurde eine zusätzliche Arbeitsstelle geschaffen, um die Projektkoordination, die Öffentlichkeitsarbeit und das Fund-Raising zu intensivieren.

In Südostasien liegt der Schwerpunkt der Natur- und Artenschutzbemühungen des Allwetterzoos, hier vornehmlich in Vietnam. Durch personellem und finanziellem Engagement unterstützt er die Rettung hochbedrohter Primaten.

Eines der jüngsten Projekte des Allwetterzoos und der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e. V. ist das „Angkor Centre for Conservation and Biodiversity“ (ACCB), eine gemeinsam mit der Provinzregierung von Siem Reap (Kambodscha) eingerichtete Naturschutzstation auf dem Gelände der „Angkor World Heritage Site“. Die Provinzregierung hat für diesen Zweck ein Gelände von 38 ha auf der Rückseite des Angkor Wat Tempels am Rande des Siem-Reap-Flusses zur Verfügung gestellt.

Insbesondere geht es um Naturschutzbildung für die Kambodschaner und für lokale Naturschützer, die Angkor Wat besuchen, gezielte Erhaltungszucht (und langfristig die Wiederansiedlung bzw. Aufstockung) einzelner besonders bedrohter, in Kambodscha vorkommender Tierarten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Rettung von Schildkröten. Um zumindest 15 asiatische Schildkrötenarten vor der akut drohenden Ausrottung zu retten, wurde im Allwetterzoo am 18. Oktober 2003 in Kooperation mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) eingeweiht. Das Zentrum wird von internationalen Forschern besucht. Zur traurigen Wahrheit gehört, dass mindestens 2 der Schildkrötenarten im Allwetterzoo, wohl die letzten Exemplare ihrer Art sind. Sie gelten als ausgestorben, meist durch Zerstörung der Lebensräume durch den Menschen, aber auch, weil sie in den Heimat-Ländern als Delikatesse gelten.

Auch der Rettung von Pandalangur und Kleideraffen im Endangered Primate Rescue Center (EPRC) im Cuc Phuong National Park, Nord-Vietnam hat sich der Allwetterzoo verschrieben.

Auf Mitinitiative des Allwetterzoos konnte am 20.3.2001 in Münster die Stiftung Artenschutz gegründet werden. Damit erhielt die Gemeinschaftsinitiative von derzeit rund 40 angesehenen Zoologischen Gärten und Tierparks und mehreren Naturschutzorganisationen den Status einer gemeinnützigen, rechtsfähigen und als besonders förderungswürdig anerkannten Stiftung.

Die Idee der Stiftung ist es, die Stärken von Naturschutzorganisationen, Zoos und Wirtschaft zu vereinen und dadurch Schutzprogramme für hochbedrohte Tierarten schaffen zu können.

Ein weiteres wichtiges Themenfeld des Zoos ist die Bildung: In der Zooschule des Allwetterzoos unterrichten speziell ausgebildete “Zoolehrer“ rund 8.000 Schüler pro Jahr. In der Forscherwerkstatt betreuen Biologen bzw. Pädagogen Kinder und Jugendliche bei selbst gewählten Natur- und Umweltprojekten. In den Ferien finden spezielle Führungen für Kinder statt. Hierbei stellen Biologen vielfältige Themen aus der Tierwelt vor. Abendführungen oder Rundgänge zum Thema „Wie funktioniert ein Zoo“ vermitteln besondere Einblicke in die Zoowelt. Gruppen können für ihren Zoobesuch eine Führung buchen. Die Programme für Kindergeburtstage bieten ebenso „Lernstoff“ wie das Tier-Quiz für Schüler, das kostenlos an der Kasse abgegeben wird. Unser Zoo-Wegweiser sowie die vielfältigen Beiträge auf unserer Website sind eine weitere Möglichkeit, sich über die Arbeit des Allwetterzoos zu informieren.

Eine weitere Station meines Besuchs mit dem Zoodirektor war das Affenhaus. Der Zoo wird aus eigenen Stücken eine Reihe seiner Tiere abgeben, um mehr Platz zu schaffen. „Unsere Ansprüche an eine gute Affenhaltung sind sehr hoch.“ sagt Zoodirektor Adler. Daher hat der Zoo auch den nächsten Schritt getan, und die Schimpansengruppe am 3. Juli 2014, also wenige Tage nach meinem Besuch, in den Zoo nach Magdeburg abgegeben. Dadurch stehen den Gorillas nun die gesamte Innen- und Außenanlge sowie der Wintergarten zur Verfügung.

Unserer Tour endete am ehemaligen Delfinarium, heute Heimat der Seelöwen und deswegen heißt es nun „Robbenhaven“. Aber nicht nur der Name hat sich geändert: Den Bewohnern des Robbenhavens stehen zwei Millionen Liter Salzwasser zur Verfügung. Sie leben somit in einer der größten Seelöwen-Anlagen Europas. Die Kombination aus großer Wassermenge, ausreichenden, ständig zur Verfügung stehenden Rückzugsmöglichkeiten und der Betreuung durch die Pfleger, garantieren beste Bedingungen, die weit über die Mindestanforderungen hinausgehen. Im Mittelpunkt der Shows für BesucherInnen, vor allem Kinder, steht ebenfalls das Thema Naturschutz: die Seelöwen sind Botschafter für das Thema Saubere Meere.

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Der Allwetterzoo hat große Anstrengungen unternommen, um als positives Beispiel in der Landschaft der Zoos herauszuragen. Ich kann versichern, dass dies nicht mein letzter Besuch in Münster war und auch nicht der letzte Austausch mit Zoodirektor Adler.

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