Divestment und Investment – Über den nachhaltigen Umgang mit Geld

Wir wollen, dass auch öffentliche Gelder gezielt aus klimaschädigenden Investitionen herausgezogen werden und im Gegenzug der Ausbau von erneuerbaren, von ökologisch und sozial nachhaltigen Investitionen gestärkt wird.

In der Volksbank Viersen ging es unter dem Titel „Divestment und Investment – Über den nachhaltigen Umgang mit Geld“ um den Zusammenhang von nachhaltiger Entwicklung und dem (Nicht-)Investment in bestimmte Unternehmen bzw. Anlageformen. Martin-Sebastian Abel diskutierte gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Viersen Jürgen Cleven und dem Anlageberater Hans-Detlev Speckmann.

Divestment ist das Gegenteil von Investment und der Fachbegriff dafür, unethische Aktien oder Anleihen abzustoßen. Denn der Klimawandel hat nicht nur negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch auf finanzielle Investitionen, die etwa in fossile Energieträger gingen und künftig weniger wert sind. Dennoch sollte man auch bei Geldanlagen vorsichtig sein, die mit ihrer Nachhaltigkeit werben – die genaue Begriffsdefinition kann sehr unterschiedlich sein. Nachhaltige und nicht-nachhaltige Bank-Aktivitäten beobachtet und analysiert das internationale Netzwerk banktrack.org,  auf das Grenzlandgrün-Referent Martin Sebastian Abel hinweist: „Es deckt Verstrickungen und Zusammenhänge im Finanzsektor auf. Spannend!”

Das Risiko fossiler Geldanlagen wird an der sogenannten Kohlenstoffblase deutlich. Alle Vorkommen kohlenstoffhaltigen Energieträger zusammengenommen haben einen bestimmten Wert, der sich in den Konzernbilanzen der Rohstoffförderer abbildet. Wenn nun nicht mehr in diese Firmen, sondern nachhaltige Energien investiert wird, sind Aktienanteile an Exxon, BP, Shell & Co nichts mehr wert. Eine Investition ist also riskant – denn zur Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele muss genau das geschehen: Divestment.

Martin-Sebastian Abel definiert: „Divestment meint, die Finanzanlagen aus Kohle, Öl und Gas abzuziehen und in klimafreundliche Bereiche investieren.“ Eine hilfreiche Infografik findet man beim GRÜNEN Europaabgeordneten Reinhard Bütikofer.

Und Divestment ist nicht nur eine Theorie – es wird schon jetzt praktisch angewendet: Die Stanford-University mit einem Volumen von 21 Milliarden Dollar, die Harvard-University mit 18 Milliarden Dollar, der Norwegische Pensionsfonds mit 734 Milliarden Euro, die Allianz-Versicherung mit 4 Milliarden Euro, zahlreiche kirchliche Investoren und ab 2018 auch der neue NRW-Pensionsfonds mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro ziehen ihre Investitionen aus nicht-nachhaltigen Anleihen ab.

Diese letzte Errungenschaft hat Martin-Sebastian Abel im Landtag erreicht – die Rede zum entsprechenden Antrag ist hier zu finden. Auch kommunale Parlamentarier können lokale Divestment-Initiativen starten – ein Musterantrag für die eigene Kommune ist hier zu finden.

In der anschließenden Diskussionsrunde wird deutlich, dass die Politik von Trump, China oder der EZB nicht gerade die Divestment-Bemühungen anderer Investoren unterstützt. Unklar ist auch, ob die derzeitigen Marktpreise bereits das Risiko der Kohlenstoffblase oder die Divestment-Bemühungen beinhalten oder der große finanzielle Verlust vieler Unternehmen und Kommunen noch droht.

Das Fazit der Veranstalter lautet dementsprechend: „Nachhaltiger Umgang mit Geld wird  komplexer und widersprüchlicher. Denn vieles wird unsicherer, hängt mit vielem zusammen und kann neue Wechselwirkungen erzeugen.“

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